Zur Historie

Die Weinbaugemeinschaft Loschwitz / Wachwitz

(Stand Mai 2012)

Der Blick über Dresden weitet die Seele, lässt das Auge angesichts der Schönheit von Stadt und Umgebung jubeln. An klaren Tagen sieht man bis Meißen und ins Böhmische.
Am 17. Juni 1987 begründete sich die aus 38 begeisterten Mitgliedern bestehende Weinbaugemeinschaft Loschwitz / Wachwitz, davon 14 Winzer in Loschwitz am Lingnerschloß, 14 im Wachwitzer Weinberg, sowie 10 Winzer mit eigenen aufgerebten Weingartenflächen, sogenannte Hauswinzer. Die Weinbaugemeinschaft ist inzwischen ein gemeinnütziger Verein mit 36 Mitgliedern, die mehrheitlich auch der Sächsischen  Winzergenossenschaft Meißen und dem Weinbauverband angehören.

Eingeleitet wurde die offizielle Aufrebung der Bereiche Loschwitz und Wachwitz mit dem Beschluß des damaligen Rates des Bezirkes Dresden vom 01.02.1984. Eine langfristige Konzeption sollte die Wiederentwicklung des Weinbaues im Elbtal befördern. Die Aufrebung von insgesamt 140 ha war über 10 Jahre angelegt. Positive Erfahrungen dazu lagen bereits vom Pillnitzer Weinberg vor. Finanzielle Zuschüsse kamen vom Landeskultur- und Umweltschutz sowie der Winzergenossenschaft. Aber auch die Winzer-Pächter leisteten ihren Beitrag mit dem Erwerb von Genossenschaftsanteilen.
Die ersten Rodungsarbeiten begannen im Sommer 1986. Die Terrassen waren verwildert, mit Buschwerk, alten Koniferen, Obstbäumen, Linden, dicken Maronenbäumen, Pappeln und Eichen besetzt. Die historischen Trockenmauern zeigten sich an manchen Stellen gut erhalten, an anderen jedoch stark zerstört. Die oberen Terrassen wiesen allein in Wachwitz 15 Mauereinbrüche von 2 bis 11 m Länge auf.
Nach Rodung und ersten, von der Winzergenossenschaft geförderten Maueraufbauarbeiten und dem Zaunbau konnte rigolt, d. h. drei Spaten tief umgegraben werden. Zum Teil geschah das mit einem motorgetriebenen Spezialpflug, auf den Terrassen jedoch bewährte sich Handarbeit. Das Urbarmachen des Geländes erwies sich immer wieder als echte „Knochenarbeit“. Wie zufrieden war man doch, als im Frühjahr 1987 nach einer Grunddüngung die ersten Flächen mit Reben bepflanzt werden konnten. Die Flächen von ca. 1 ha am Lingnerschloß (damals „Dresdner Klub der Intelligenz“) wurden von 14 Hobbywinzern bewirtschaftet. Heute haben sich die Relationen zu Gunsten eines Haupterwerbswinzers verändert.
Der königliche Weinberg Wachwitz mit reichlich 2 ha Rebfläche bestand seinerzeit aus 14 Parzellen, heute sind es 16. Zu den Mitgliedern unseres Vereins gehören jetzt in Loschwitz 6, in Wachwitz 30 Winzer, davon einer im Haupterwerb. Alle sind mit großem Enthusiasmus, doch unterschiedlich verteiltem Zeit- und Kraftfonds am Werke.

Die Möglichkeit, besonders zeitraubende Arbeiten mit entsprechenden Maschinen zu erledigen, brachte uns Winzern großen Gewinn an Effektivität und Freude, weniger jedoch den Anwohnern des Gebietes. Daher ist es wichtig geworden, auch die vorgeschriebenen Ruhezeiten einzuhalten. Das wiederum bringt Konflikte zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und Wohngebiet, wenn z. B. die Wetterlage für Spritzarbeiten sofortiges Handeln, auch besonders am Wochenende verlangt...
Der Altersdurchschnitt beträgt durch unsere jüngeren Mitglieder zur Zeit ~53 Jahre. Rechnen wir noch die kleinen Kinder der jungen Familien hinzu, kämen wir auf ca. 39 Jahre. Damit wären wir eine der „coolsten Berggemeinschaften“, der es um Winzernachwuchs nicht bange sein sollte.
Der Wachwitzer Weinberg ist, was die Eigentumsverhältnisse angeht, zweigeteilt. Des Flurstücks 116/5 östlicher Teil gehört der Stadt Dresden, mit der ein langfristiger günstiger Pachtvertrag besteht. Der westliche Teil, zum Flurstück 135/5 gehörend, ist noch Eigentum der V.V.K. Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH zu Dresden i. L. und es bestehen nunmehr Absichten und Hoffnung, diesen gepachteten Bereich für die Berggemeinschaft Wachwitz käuflich zu erwerben.
Verschiedene Förderprogramme nach 1990, so z. B. zur Umstrukturierung und Umstellung von Rebflächen im sächsischen Weinbau und die Sanierung von Trockenmauern gaben einen großen positiven Schub, von dem auch unser Wachwitzer Bereich profitierte. Alle Mauereinbrüche wurden aufgebaut und das Rondell an der Himmelsleiter zur Freude aller Spaziergänger restauriert.
Wir Winzer blicken nicht ohne Stolz auf die Ergebnisse unserer Bemühungen, zum Erhalt der Kulturlandschaft Wachwitzer Weinberg beigetragen zu haben und wollen auch weiterhin daran mitwirken. Die Erhaltung und Pflege der öffentlichen Wege sowie die Vervollkommnung der „Kulturbereiche“ für die Nutzung als temporäre Straußwirtschaften sind uns eine Verpflichtung, außerdem als Selbstverständlichkeit ein verantwortungsbewußter Umgang mit Pflanzenschutzmitteln und landwirtschaftlichen Maschinen.

Der Weinbau im Elbtal

Seit Oktober 1992 ist die Bezeichnung für das Weinbaugebiet zwischen Pirna und Diesbar-Seußlitz mit dem Begriff Sachsen, also nicht mehr Meißner sondern Sächsischer Wein, festgeschrieben.
Das Klima des Gebietes ist von kontinentalen Einflüssen geprägt, d. h. relativ kalte Winter und heiße Sommer. Späte Fröste Ende April und im Mai entschieden bisher oft über die Jahresernte, momentan aber scheinen sich diese Faktoren eher zu Gunsten wärmerer und trockenerer Bedingungen insgesamt zu verändern. Eine neue Herausforderung stellt dabei besonders der Wasserhaushalt in den Weinbergen dar, der  vergleichsweise mit mehr Trockenperioden auskommen muß.
Die Bodenbeschaffenheit ist vielfältig und reicht von granitischen Verwitterungen mit Lößüberdeckung (Meißner Raum) über Flusssande (Weinböhla) bis zu gneisartigen Verwitterungen (Radebeuler und Dresdner Raum).
Charakteristisch für die genannten Bereiche sind die steilen Terrassenlagen, die 60% der Rebflächen tragen und ganz entscheidend die Sächsische Kulturlandschaft prägen. Diese Terrassen sind klimatisch besonders günstig, da sich dort ein für den Qualitätswein günstiges Mikroklima herausbildet. Der Sonneneinfallswinkel wirkt sich fördernd aus, die tagsüber aufgeheizten Terrassenmauern strahlen nachts Wärme ab. Der hohe Anteil von Trockenmauern bietet einerseits einen ästhetisch vorteilhaften Anblick, andererseits kann sich eine vielgestaltige Flora und Fauna  als natürliches Gegenüber zu Krankheits- und Schadenerregern entwickeln und weitgehend der Bodenerosion begegnet werden.
Die Ertragsfläche in Sachsen ist mit einem Anteil von ~80% Weißweinsorten und ~20% Rotweinreben vielfältig bestockt. Weinbaubetriebe sind außer der Sächsischen Winzergenossenschaft, dem Sächsischen Staatsweingut, den privat-wirtschaftlichen Weingütern die über 2000 Hobbywinzer, die besonders die kleineren Restflächen von Diesbar-Seußlitz bis Pirna bewirtschaften.
Hauptrebensorten sind Müller-Thurgau 16,9 %, Riesling 14,1%, Weißburgunder 11,9%, Ruländer 9,6%, Traminer 5,6%, Spätburgunder 8,1% und Dornfelder 5%. Insgesamt werden 58 verschiedene Rebsorten dokumentiert
War es bis 1990 noch so, dass die Trauben nicht lagenrein, sondern eher gemeinsam gekeltert wurden, unterscheiden wir heute mehrere sogenannte Großlagen. Diese Produkte sind auch im Geschmack deutlich differenziert. Für Dresden und seine Bereiche Pillnitz, Wachwitz und Loschwitz ist die Bezeichnung „Pillnitzer Königlicher Weinberg“ Sammelbegriff für die Erzeugerabfüllung. Weitere Großlagen gibt es für Radebeul, für Meissen, bis hin nach Seußlitz und die Bauernberge in Cossebaude sowie Jessen.
Da die Bewirtschaftung der Kleinwinzerflächen vorwiegend ohne eigene Kelterei erfolgt, werden die Trauben von der Sächsischen Winzergenossenschaft Meissen aufgekauft und dort verarbeitet. Die Winzer können dann zu günstigen Konditionen eine limitierte Anzahl von Flaschen aller Sorten zurückkaufen. Traditionell werden hauptsächlich trockene Weine ausgebaut, von jeher eine Spezialität dieser Region.
Insgesamt ist die Qualität der Weine ständig gesteigert worden. Da bereits hohe Anforderungen an die Qualität des Lesegutes gestellt werden und die Sorgfalt der Verarbeitung auch durch Investitionen in eine moderne Technik und Lagerwirtschaft wesentlich gesteigert  wurden, konnte die Winzergenossenschaft schon über etliche Jahrgänge Medaillen für ihre Erzeugnisse entgegennehmen. Dies und die attraktive neue WeinErlebnisWelt der Sächsischen  Winzergenossenschaft tragen zu einem stabilen Absatz der Weine bei.
Als siebente der deutschen Weinstraßen wurde im Mai 1992 die Sächsische Weinstraße eröffnet. Sie erstreckt sich über 55 km von Pirna über Dresden, Radebeul, Weinböhla / Coswig und Meißen bis Diesbar-Seußlitz.
Die mit der Weinstraße verbundene Förderung der Infrastruktur und des Weinbaus, wie z. B. durch den umfangreichen Terrassenwiederaufbau lassen uns heute mit Zufriedenheit auf diese Entwicklung schauen.

Gebäude und bauliche Anlagen in Nachbarschaft des Weinberges

Lageplan Königlicher Weinberg Wachwitz
Lageplan Königlicher Weinberg Wachwitz

Königliche Sommervilla
Erbaut von Wilhelm Teichgräber sen. Im Stil der Neorenaissance, vollendet 1893 als Nachfolgebau des alten Palaisgebäudes.
1830 bis 35 wurde das „Alte Palais“ von Ludwig Blaßmann erbaut. Das Kellergeschoß mit seinen Sandsteingewölben ist noch heute vorhanden. Darüber befand sich eine Terrasse, die schon über 20 Jahre wegen Einsturzgefahr nicht mehr begehbar ist.

Altes Gärtnerhaus
1824 im Mittelteil schon vorhanden, nachträgliche Seitenflügel ca. 1825 angebaut, mit Reliefs von Hofbildhauer Ferdinand Pettrich (1770–1844).

Presshaus
Ca. 1800–02 erbaut als Wirtschaftsgebäude, Unterkunft für Bedienstete und zur Traubenbearbeitung. Im Südteil des Erdgeschosses stand einst eine Doppelspindel-Holzpresse, die über zwei Etagen reichte. Am südl.Giebel ist das sogenannte Kinder-Relief von Pettrich eingebaut, das tanzende, musizierende und trinkende Putti darstellt.

Bergkapelle
Erbaut 1825 von Landbaumeister C. Haenel in gotisierendem Stil. Ein Neubau-Entwurf von Gottfried Semper (1836) kam nicht zur Ausführung, sondern 1839 nach Plänen vermutlich von Haenel. Farbige Glasfenster wurden 1945 leider zerstört. Im Fels unterhalb des Gebäudes befindet sich eine Grotte, die seit einigen Jahren aus Sicherheitsgründen vergittert ist.

 

Lageplan (1996) und Text:
Inga-Maria Rohde, Hobbywinzerin im Wachwitzer Weinberg seit 1987

Fotografien: Uwe Grille